Musik überwindet „Grenzen“

Von Anke Krieger

Beim Jubiläum der Singgemeinschaft harmonieren Königsteiner und Falkensteiner bestens

275 Jahre Chorgesang feierte die Singgemeinschaft Königstein zusammen mit befreundeten Chören aus der Umgebung. Die Sängerinnen und Sänger nahmen ihre Zuhörer mit auf eine ausgedehnte Reise durch die Musikgeschichte. Bei mehr als drei Stunden Gesang war garantiert für jeden etwas dabei.

Königstein. 

Nicht jeder hat mit Chorgesang etwas am Hut. Viele denken an Kirchenmusik oder an angestaubte deutsche Volkslieder. Doch weit gefehlt. Wer am Samstag im Haus der Begegnung beim Jubiläumskonzert der Singgemeinschaft Königstein zu Gast war, konnte sich von der Vielfalt der Chormusik beeindrucken lassen. Um 275 Jahre Chorgesang zu feiern hatten die Königsteiner fünf Gastchöre eingeladen - und die hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Romantisch wie zu den Gründungszeiten der Chorgemeinschaft 1860 und des Männerchors 1893 ging es los: Die Männer der Singgemeinschaft Königstein und des MGV 1875 Falkenstein boten gemeinsam Lieder von Franz Schubert und Friedrich Silcher dar. Die Gäste hätten eigentlich alleine auftreten sollen, aber da hatte es Personalprobleme gegeben. Der MGV-Vorsitzende Markus Schleicher fand den gemeinsamen Gesang aber anregend: „Wir haben schon einmal zusammen gesungen. Vielleicht ergibt sich daraus ja mal etwas mehr, wer weiß.“ Die Idee eines stadtteilübergreifenden Chors fand auch bei den Gastgebern Anklang.

Klassisch und modern

„Feuer und Wasser“ hieß das Motto der Sängervereinigung Oberhöchstadt 1861 unter der Leitung von Bettina Kaspary. Sie hatten zwei Volkslieder aus Dalmatien, einen Schlager von Freddy Quinn und das 20er-Jahre-Lied „Ich hab das Fräulein Helen baden sehn“ im Gepäck.

Einen gelungenen Spagat zwischen verschiedenen Kulturen präsentierte der Gospifo-Chor Niederseelbach. Die Sänger brachten die Südafrikanische Nationalhymne, Daft Punk und Leonhard Cohen unter einen Hut. Der von Andreas Wollner geleitete Chor war kurzfristig eingesprungen, weil andere Teilnehmer abgesagt hatten. Für die Konzertbesucher ein Geschenk, denn mit ihrer mitreißenden Art begeisterten sie das Publikum. Und sie bewiesen nebenbei, dass sich auch aktuelle Musik für den Chorgesang eignet.

Die Singgemeinschaft Königstein setzte mit Chorleiter Wolfgang Gatscher beim Männerchor auf Klassiker wie „I’m Walkin’“ und „Good Night Ladies“. Der Frauenchor „Sing mit Swing“ stieg derweil zu „Puttin on the Ritz“ im Luxushotel ab, spazierte anschließend die Champs Elysées hinunter und hängte sogar noch einen Urlaub in Südafrika dran.

Eine Reise durch Zeit und Raum absolvierte der GV Euterpe Hornau mit seinem Beitrag. Neben Liedern aus dem 16. Jahrhundert präsentierten die Sänger unter der Leitung von Ulrich Stoll auch die Klassiker „Kalinka“ und „Lollipop“.

Besinnlicher ging es beim MGV Heiterkeit Mammolshain zu. Matthias Minzberg sang mit seinem Chor Spirituals, Gospels und das gecoverte russische Lied „An jenem Tag.“

Außer den fünf Chören gratulierten auch Gäste aus der Politik: Erster Stadtrat Walter Krimmel vertrat Bürgermeister Helm, Landrat Ulrich Krebs dankte fürs Engagement der Singgemeinschaft und Landtagskandidat Jürgen Banzer schaltete vom Wahlkampf ab.

Den krönenden Abschluss von fast dreieinhalb Stunden Chorgesang bildete die Abteilung „Leichte Muse“ des Männerchors 1893, die Kurharmonix. Die Männer unter der Leitung von Stefan Hofmann sorgten dabei nicht nur für einen optischen Akzent mit Zylinder und Frack, sondern auch für gute Unterhaltung. Das lag nicht zuletzt an den witzigen Texten der Comedian Harmonists wie „Veronika, der Lenz ist da“. Besonders gelacht wurde über den hessischen Text „Lisbeth“, denn da versprach Solist Stefan Hofmann seiner Frau: „Von mir kriegste alles - nur kaa Geld.“

Artikel vom 23.09.2013, 04:30 Uhr (letzte Änderung 24.09.2013, 20:23 Uhr); Taunus Zeitung